Motorrad umgefallen: Was du vor der Weiterfahrt prüfen solltest

Motorrad umgefallen: Was du vor der Weiterfahrt prüfen solltest

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht: Das Motorrad kippt beim Rangieren, an der Ampel oder auf einem unebenen Stellplatz zur Seite. Oft bleiben nur Kratzer zurück. Trotzdem lohnt es sich, vor der Weiterfahrt genauer hinzusehen, denn nicht jede Beschädigung fällt sofort auf.
 
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Teile, die den Boden zuerst berührt haben. Spiegel, Blinker, Lenker und Hebel sind zwar typische Kontaktstellen, wichtiger ist jedoch die Frage, ob sich das Motorrad weiterhin sicher lenken, bedienen und bremsen lässt. Die folgenden Hinweise beziehen sich auf einen Umfaller im Stand oder bei sehr geringer Geschwindigkeit. Nach einem Sturz während der Fahrt oder einer Kollision sollte das Motorrad gründlicher in einer Werkstatt geprüft werden.

 

 

 

Die betroffene Seite zuerst in Ruhe ansehen

Beginne mit den Bauteilen, die beim Umfallen wahrscheinlich den Boden berührt haben. Dazu gehören je nach Motorrad Spiegel, Lenkerende, Brems- oder Kupplungshebel, Blinker, Fußraste, Verkleidung, Auspuff und Motordeckel. Leichte Kratzer sind meist sofort erkennbar. Wichtiger ist jedoch, ob etwas gerissen, verbogen, verdreht oder locker geworden ist.
 
Ein Spiegel kann äußerlich unbeschädigt wirken, obwohl sich sein Gelenk oder die Befestigung gelöst hat. Auch ein Blinker sollte nicht nur auf ein gebrochenes Gehäuse geprüft werden. Hat sich der Lampenarm verdreht oder wurde die Leitung aus der Verkleidung gezogen, kann der elektrische Kontakt beschädigt sein. Bei den Hebeln genügt ebenfalls kein kurzer Blick: Sie dürfen keine Risse aufweisen und müssen sich ohne ungewöhnlichen Widerstand bewegen lassen.
 
Sieh anschließend unter das Motorrad und rund um Motor, Kühlsystem und Bremsanlage. Frische Flüssigkeit auf dem Boden, ein deutlicher Kraftstoffgeruch oder sichtbare Feuchtigkeit an Leitungen und Gehäusedeckeln sollten ernst genommen werden. Bei einem erkennbaren Verlust von Kraftstoff, Öl, Kühl- oder Bremsflüssigkeit sollte das Motorrad nicht einfach gestartet und weitergefahren werden. Auch der ADAC empfiehlt bei der technischen Kontrolle, auf Undichtigkeiten an Motor, Kühlsystem, Kraftstoffanlage und Bremsleitungen zu achten.

 

 

 

Lenker und Bedienelemente müssen sich normal anfühlen

Richte das Motorrad auf und stelle das Vorderrad gerade. Der Lenker sollte dabei nicht sichtbar schief zum Rad stehen. Drehe ihn langsam bis zum linken und rechten Anschlag. Die Bewegung muss gleichmäßig bleiben, ohne zu haken oder ungewöhnlich schwer zu werden. Berühren Spiegel, Hebel oder Lenkerende plötzlich den Tank oder die Verkleidung, kann sich eine Halterung verschoben haben.
 
Auf der Gasgriffseite muss sich der Griff leicht drehen lassen und nach dem Loslassen selbstständig zurückkehren. Brems- und Kupplungshebel sollten in ihrer üblichen Position sitzen und frei beweglich sein. Auch Schaltergehäuse können sich beim Umfallen auf dem Lenker verdrehen, obwohl sie äußerlich noch intakt aussehen.
 
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Vorderradbremse. Der Hebel muss weiterhin einen klaren, gewohnten Druckpunkt besitzen. Fühlt er sich plötzlich weich an, lässt er sich ungewöhnlich weit durchziehen oder ist eine Leitung beschädigt, sollte die Fahrt beendet werden. Der ADAC weist ebenfalls darauf hin, dass Bremshebel und Pedal einen deutlich spürbaren Druckpunkt haben müssen und Mängel an der Bremsanlage vor Fahrtbeginn behoben werden sollten.

 

 

 

Bremsen, Reifen und Beleuchtung kurz testen

Wenn an den Kontaktstellen keine gravierenden Schäden zu sehen sind, schiebe das Motorrad zunächst einige Meter. Die Räder sollten sich frei drehen, ohne zu schleifen oder ungewöhnliche Geräusche zu verursachen. Kontrolliere besonders die Reifenflanke auf Schnitte oder Beschädigungen und wirf einen Blick auf Felge und Bremsscheibe der betroffenen Seite.
 
Betätige Vorder- und Hinterradbremse zunächst im Stand. Wenn sich beide normal anfühlen, kann ihre Funktion anschließend bei Schrittgeschwindigkeit auf einer freien, ebenen Fläche vorsichtig geprüft werden. Ein ungewohnter Druckpunkt, Schleifgeräusche, starke Vibrationen oder ein seitliches Ziehen sind Gründe, den Test abzubrechen.
 
Anschließend werden Scheinwerfer, Rücklicht, Bremslicht und beide Blinker eingeschaltet. Gerade ein äußerlich unbeschädigter Blinker kann durch eine gelöste Steckverbindung ausfallen. Kontrolliere daher nicht nur die beschädigte Seite, sondern die gesamte Beleuchtung. Der ADAC fasst Beleuchtung, Bereifung und Bremsen als die drei grundlegenden Bereiche eines kurzen Motorradchecks zusammen.

 

 

 

Nur bei unauffälligem Ergebnis vorsichtig weiterfahren

Sind keine Flüssigkeiten ausgetreten, Lenker und Hebel arbeiten normal, die Bremsen besitzen ihren gewohnten Druckpunkt und alle Leuchten funktionieren, kann eine kurze Probefahrt auf einem sicheren Gelände sinnvoll sein. Beginne langsam und achte darauf, ob das Motorrad geradeaus läuft, ungewöhnlich vibriert oder neue Geräusche entstehen.
 
Zeigt sich dagegen eine Undichtigkeit, eine schiefe Lenkung, ein beschädigter Reifen, ein ungewöhnliches Bremsgefühl oder ein lockeres tragendes Bauteil, sollte das Motorrad stehen bleiben. Gleiches gilt, wenn die Maschine nicht nur im Stand umgefallen, sondern während der Fahrt gerutscht oder gegen ein Hindernis geprallt ist. In solchen Fällen können auch Gabel, Fahrwerk, Radaufhängung oder Rahmen betroffen sein, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar ist.

 

 

 

Fazit

Ein Umfaller muss nicht automatisch einen größeren Schaden bedeuten. Vor der Weiterfahrt sollte aber geprüft werden, ob die betroffene Seite, der Lenker, die Bedienelemente, die Bremsen und die Beleuchtung weiterhin einwandfrei funktionieren. Spiegel, Blinker und Hebel sind dabei wichtige Kontaktstellen – sicherheitsrelevant wird der Check jedoch erst dann vollständig, wenn auch Lenkung, Flüssigkeitsverlust, Reifen und Bremsfunktion berücksichtigt werden.
  
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